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07.09.2019

Grüne Infrastruktur weiterentwickeln: Kleingärten fördern

Bundespolitische Forderungen des BDG

Der positive Einfluss, den Kleingärten auf sozialen Zusammenhalt, Bewahrung der Kulturtechnik Gärtnern, Klima, Biodiversität sowie auf die Lebensqualität und das Erscheinungsbild von Städten und Gemeinden haben, soll erhalten und noch weiter verstärkt werden.
 
Daher fordert der BDG:
  • Den Schutz der Kleingärten als Grüne Infrastruktur unbedingt sichern: Festhalten am Bundeskleingartengesetz in seiner bewährten Form.*
  • Die bedarfsgerechte Weiterentwicklung von Kleingärten durch die Kommunen fördern: Kleingärten in den Programmen der Städtebauförderung und in weiteren zukünftigen Infrastrukturprogrammen explizit als möglichen Adressaten für Maßnahmen festschreiben.
  • Im Zusammenhang mit bedarfsgerechter Weiterentwicklung auch die durch demografischen Wandel in ländlichen Räumen entstandenen Überkapazitäten als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen: Notwendige Maßnahmen durch Förderprogramme der Integrierten ländlichen Entwicklung und durch Bundesprogramme unterstützen.    
  • Bei zukünftig anstehenden Neuregelungen der Eingriffs-Ausgleichs-Regelung ökologisch aufgewertete Kleingartenanlagen als Kompensationsflächen anerkennen. Entsprechende Forschungsvorhaben und Modellprojekte sollten durch die Bundespolitik gefördert werden.
  • Die soziale Wirkung von Kleingärten schützen durch Verhindern hoher Nebenkosten; wie etwa einer großen Grundsteuerbelastung.
     

Kleingärten: mehr als Freizeit- und Erholungsflächen in Ballungszentren und im ländlichen Raum

Menschen profitieren von wohnungsnahen Kleingärten
Kleingärten sind unverzichtbarer Bestandteil der grünen Infrastruktur in Deutschland. Sie entfalten für ihre Umgebung eine große positive Wirkung und bieten die Möglichkeit sinnvoller Freizeitbeschäftigung in der Natur. Durch moderate Pachtpreise sind sie dank des Bundeskleingartengesetzes (BKleingG) für jedermann erschwinglich. Familien finden im Kleingarten einen geschützten Ort und die so wichtigen Naturerlebnisräume für Kinder. Kleingärten verbinden alle Generationen, Nationen und gesellschaftliche Schichten. Im Kleingarten kann der Mensch gesundes Obst und Gemüse in Bioqualität anbauen und sich vom Arbeitsalltag erholen.

 
Städte und Gemeinden profitieren von Kleingärten
Für Städte und Gemeinden sind Kleingartenanlagen ein echter Zugewinn. Die kleinen Oasen inmitten stark verdichteter Räume führen zu einem hohen Durchgrünungsgrad im Stadtgefüge. Wohnungsnahe Grün- und Erholungsflächen sorgen für eine hohe Lebensqualität in den Städten und Gemeinden. Darum gehören Kleingartenanlagen wie öffentliche Parks, Spielplätze, Grünflächen oder Friedhöfe zur kommunalen grünen Infrastruktur. Sie sind deshalb auch für Anwohner ohne eigene Parzelle attraktive Orte der Naherholung und Entschleunigung.
Kleingärten leisten einen positiven Beitrag zum städtischen Klima. Als Frischluftschneisen sorgen sie  für Abkühlung, lassen Niederschläge in unversiegelte Böden versickern und binden Staub und Feinstaub. 
 
Als Teil der Stadtnatur leisten Kleingartenanlagen einen Beitrag zur Biodiversität, da sie eine hohe  Artenvielfalt aufweisen. Grund dafür ist die Strukturvielfalt in den Gärten sowie der Anbau alter und seltener Arten und Sorten. Bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden hier ihre Nische zum Leben.  
Darüber hinaus erhalten und entwickeln Kleingärtner seit Jahrzehnten das Wissen um das naturnahe Gärtnern und geben es weiter. Nachhaltiges und ökologisches Gärtnern sowie das Wissen um das multifunktionale Ökosystem Garten, Biodiversität und Insektenschutz prägen das Umweltbewusstsein der heutigen Kleingärtnergeneration. Davon profitiert die ganze Gesellschaft über den Gartenzaun hinaus.
 
Grundlagen für eine durchgrünte Stadt
Städte und Gemeinden stünden vor einer enormen finanziellen Herausforderung, gäbe es die knapp 14.000 Kleingartenanlagen deutschlandweit nicht. Denn es sind die Kleingärtnerorganisationen, die sich um diese für die Gesellschaft so wichtigen Grünflächen kümmern: Für rund 44.000 ha zentral gelegene und öffentlich zugängliche Grünflächen müssen die Kommunalverwaltungen oftmals keine Pflegekosten aufbringen.
 
Mit dem unlängst vorgelegten Weißbuch „Grün in der Stadt“ hat die Bundesregierung deutlich gemacht, dass die Stärkung und städtebauliche Förderung urbaner grüner Infrastruktur vor allem in den Wohnquartieren wichtig ist. Wie beim Weißbuchprozess hat sich der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. auch bei der Entwicklung des Masterplans Stadtnatur aktiv für Kleingärten eingesetzt und deren Potenzial zur Entwicklung grüner Infrastruktur herausgestellt.    
Kleingartenanlagen müssen in ihrer Entwicklung gefördert und in ihrem Bestand bewahrt werden, denn sie sind unverzichtbarer Bestandteil grüner Infrastruktur. Ihre gleichzeitige soziale Wirkung sollte nicht durch hohe Nebenkosten, etwa hohe Grundsteuerabgaben, gefährdet werden.
 

Kleingartenwesen im Wandel

Aktuelle Herausforderungen für das Kleingartenwesen
So wie sich die Anforderungen an Städte als Arbeits-, Wohn- und Lebensmittelpunkt wandeln, wird auch das Kleingartenwesen immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Die Nachfrage nach Kleingärten in dichtbesiedelten Ballungszentren übertrifft das Angebot. In dünner besiedelten Regionen mit Bevölkerungsrückgang stehen die Kleingärtnervereine oftmals vor dem gegenteiligen Problem.

Die bedarfsgerechte Weiterentwicklung von Kleingartenflächen muss daher beiden Herausforderungen aktiv begegnen: Es werden einerseits Strukturanpassungen gefordert, um dem Nachfragedruck in Städten zu begegnen. Auf der anderen Seite sind neben einem aktiven Parzellenmanagement auch Fördermittel für den Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels in strukturschwachen Regionen notwendig.

 
Kleingartenwesen stellt sich auf Wandel ein
Wichtige Nachfragegruppen, vor allem im städtischen Raum, sind junge Familien (85%), Familien mit ausländischen Wurzeln (72 %) und Paare nach der Familienphase (42%). Dabei hat sich der Anteil an Familien in 70 % der Vereine in den letzten 5 Jahren erhöht. Kinder und Jugendliche gelten heute als besondere Zielgruppe.
Im Gegensatz zu anderen Verbänden und Vereinen gibt es im organisierten Kleingartenwesen in Wachstumsregionen kein Generationenproblem: die Vereine verjüngen sich, für Nachwuchs ist gesorgt.
 
Innovationen und neue Denkansätze im Kleingartenwesen fördern
Mit Blick auf neue Zielgruppen und damit neue Herausforderungen wird in vielen Vereinen bereits heute mit innovativen Denkansätzen agiert. Modernisierung und Wandel auf der Grundlage des BKleingG wird deshalb von vielen Vereinen als Chance für eine stabile zukünftige Entwicklung betrachtet.
 
Der im vierjährigen Rhythmus durchgeführte Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ hat sich hier als Innovationsmotor erwiesen und im Jahr 2018 viele zukunftsfähige Lösungen und nachahmenswerte Beispiele hervorgebracht. Unter dem Motto „Kleine Gärten – bunte Vielfalt“ hatte er die nachhaltige Sicherung von Kleingärten, die Bewahrung der sozialen und ökologischen Vielfalt und die Förderung des bürgerschaftlichen Engagement zum Ziel.
 
Um die Entwicklung des Kleingartenwesens als wichtige grüne Infrastruktur nachhaltig und bedarfsgerecht zu fördern, müssen Modernisierungs- und Förderprogramme explizit für Kleingartenanlagen geschaffen und finanzielle Mittel bereitgestellt werden.
 
Kleingärten sind Bestandteil einer nachhaltigen Stadtentwicklung
 
Wohnungsbau und Kleingärten stehen nicht in Konkurrenz zueinander
Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in vielen deutschen Städten wächst. Als vermeintlich attraktives Bauland sind Kleingartenanlagen in den Fokus gerückt, nicht zuletzt wegen ihrer innerstädtischen, gut an die kommunale Infrastruktur angebundenen Lage. Dabei sollten Wohnungsbau und  Kleingartenanlagen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Problemverlagerung anstatt Problemlösung wäre die Folge. Die von der TU Darmstadt mitgetragene „Deutschlandstudie 2019“ macht deutlich, dass Wohnungen auch ohne Überbauung von Kleingartenanlagen oder anderer öffentlicher Freiflächen geschaffen werden können: Aufstockung und Umnutzung von Nichtwohngebäuden werden als Lösungen herausgestellt.
Argumente für Erhalt, Neuanlage und Weiterentwicklung von Kleingartenanlagen
 
Die hohe Nachfrage: Vor allem in prosperierenden Ballungszentren sind Kleingärten so nachgefragt, dass teilweise Wartezeiten von mehreren Jahren bestehen.
Der Bestand: In Deutschland gibt es knapp eine Million Kleingärten, in denen geschätzt fünf Millionen Menschen gärtnern. Dieser Bestand muss dort,  wo Mehrbedarf besteht, durch Neuanlage aber auch Modernisierung und Nachverdichtung erweitert werden. Dabei sollten auch Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden, bei zukünftig anstehender Neuregelung der Eingriffs-Ausgleichsregelung, ökologisch aufgewertete Kleingartenanlagen bzw. Gemeinschaftsflächen als Kompensationsflächen anzuerkennen.
Die Verbindung mit der Umgebung: Kleingartenanlagen lassen sich hervorragend in das städtische Freiraumsystem integrieren. Sie schaffen wertvolle ökologische Verbindungen, die für alle Bewohner und Besucher erlebbar sind bzw. gemacht werden müssen.
Die Gemeinschaft: Kleingärten sind wichtige Begegnungsräume für unterschiedliche Kulturen, soziale Milieus und Generationen.
Die Bildung: Kleingärtner unterstützen aktiv Umweltbildung und bleiben dabei nicht nur unter sich. Auch Nachbarn, Kinder und Jugendliche angrenzender Betreuungs- und Bildungseinrichtungen profitieren vom Wissen und Engagement der Kleingärtner.
Die Artenvielfalt: Kleingärten sind wichtige Refugien für seltene Pflanzen- und Tierarten in urbanen Räumen.
 
Kleingärten als Instrument der Stadtplanung
Viele der zukünftigen Herausforderungen, die aktuell in unserer Gesellschaft diskutiert werden, können einfacher gelöst werden, wenn innerhalb von Politik und Stadtplanung an das qualitative Potenzial und die bedarfsgerechte Weiterentwicklung von Kleingartenflächen gedacht werden würde.
Intelligent entwickelte Kleingartenanlagen tragen zur Schaffung lebenswerter und attraktiver Wohnquartiere in Städten und Gemeinden bei.
Kleingärten sind wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Sie funktioniert jedoch nur, wenn Bauen und Grün nicht losgelöst voneinander betrachtet werden.
 
Schlussfolgerungen
Kleingärten sind heute anerkannter Teil der modernen Gesellschaft und haben wesentliche soziale, ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Funktionen in Städten und Gemeinden. Der Schutz und die Weiterentwicklung von Kleingartenanlagen sind heute besonders wichtig. Das BKleingG dient hier als unverzichtbares gesetzliches Fundament. Um weiterhin gesellschaftliche Akzeptanz zu erfahren, stellt sich das Kleingartenwesen bereits heute einem Modernisierungsprozess. Es bedarf hier allerdings einer aktiven Stadtplanung, die das Kleingartenwesen als wichtigen Bestandteil grüner Infrastruktur anerkennt und in die Gesamtentwicklung einbindet. Das kleingärtnerische Bildungswesen sowie der Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ sind als wichtige Instrumente zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der urbanen Gartenkultur zu fördern.

Das Kleingartenwesen muss explizit Berücksichtigung in Infrastruktur- und Förderprogrammen finden, um mit allen Aspekten des demografischen Wandels umgehen zu können. Dabei müssen alle zuständigen Akteure gemeinsam agieren: Verbände der Kleingärtner, Grünflächenämter, Stadtplanung und Politik müssen Strategien und Konzepte entwickeln und gemeinsam zur Diskussion stellen.

Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. wird sich den Herausforderungen bewusst stellen und den Entwicklungsprozess weiter intensiv begleiten und gestalten.
 

 
(Stand: 07.09.2019)