2. Preis 2014

Entwicklungsmöglichkeiten für Kleingartenanlagen in Pirna unter den Bedingungen des demografischen Wandels

 Carola Maier


Nach wie vor nimmt der Kleingarten eine wichtige städtebauliche, ökologische und gesellschaftliche Rolle in dem Gefüge einer Stadt ein. Eine Kleingartenanlage besteht aus einer Gemeinschaft von Familien mit Kindern, Rentnern, Migranten etc. und alle verfolgen das Ziel: ihren Garten in der Freizeit zu bewirtschaften, Spaß am Gärtnern zu haben und sich selbst zu verwirklichen. Ein Garten hält junge wie ältere Menschen mobil und gesund, sowohl wegen der Bewegung als auch der gesunden, selbst angebauten Nahrungsmittel und er unterbindet die Vereinsamung älterer Menschen. Zudem dienen die öffentlich zugänglichen Kleingärten als Naherholungszentren für die Allgemeinheit. Damit sind sie ein wichtiger Bestandteil der Grünflächen einer Stadt.

Aber die Auswirkungen der Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung (Abwanderung jüngerer Generationen, Veralterung der Gesellschaft etc.) werden langfristig auch im Kleingartenwesen zu Veränderungen führen. Gerade deswegen ist es wichtig, frühzeitig die Situation zu erfassen und zu bewerten.

Das Kleingartenwesen in Pirna, mit seinen derzeit 62 im Territorialverband `Sächsische Schweiz` organisierten Kleingartenvereinen, ist relativ stabil. Es gibt weder Leerstände in nennenswerter Höhe noch großen Bedarf nach neuen Kleingartenanlagen. Aber anhand der Alterstruktur der Nutzer lässt sich erkennen, dass die Umstrukturierung nicht mehr lange auf sich warten wird.

In der Bachelor-Arbeit wurden Vorschläge bzw. Lösungsansätze für künftige Entwicklungsmöglichkeiten, der Bestandssicherung  und Bestandserhaltung erarbeitet. Dazu wurden die Kleingartenanlagen der Stadt Pirna vor allem hinsichtlich der Altersstruktur untersucht. Da dies ein Hauptmerkmal der negativen Bevölkerungsentwicklung ist. Die Lösungsansätze zur Entwicklung der Kleingartenanlagen sollen die Entwicklung der Grün- und Freiflächen der Stadt Pirna sowie die Anforderungen der zukünftigen Pächter berücksichtigen.

Der Altersdurchschnitt der Pächter der Kleingärten ist sehr hoch. Aber laut der Bevölkerungsprognose vom Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung e.V. für Pirna ist abzusehen, dass mehr ältere Menschen nach Pirna ziehen werden. Diese Bevölkerungsgruppe wird sich Freizeitbeschäftigungen suchen und da wird ein attraktiver Punkt das Kleingartenwesen sein.

Ein anderer Aspekt, warum der Alterstdurchschnitt in den Anlagen so hoch ist, liegt sicherlich an dem geringen Anteil von Familien mit Kindern. Dies mag sowohl an dem fehlenden Angebot für diese Nutzer liegen als auch an dem mangelnden Interesse und anderen Vorstellungen vom Kleingartenwesen. Auch die Intoleranz zwischen jüngeren und älteren Pächtern spielt laut einem Stammtischgespräch des Territorialverbandes, im Beisein einiger Vereinsvorsitzender abgehalten, eine wichtige Rolle.

Die Leerstände sind derzeit also noch nicht das Problem- werden zukünftig aber mehr eine wachsende Rolle spielen, wenn das Kleingartenwesen für die Bevölkerung nicht attraktiver gestaltet wird.

Bei den Mitgliedern mangelt es an Motivation sich in ihrem Verein zu engagieren, sei es im Ehrenamt oder in der Hilfe untereinander. Viele Menschen sind nur noch auf den wirtschaftlichen Nutzen für sich ausgerichtet. So wäre es denkbar, eine Selbsthilfegruppe für ältere Menschen einzurichten, welche es nicht mehr schaffen, ihre Obstbäume zu schneiden

oder Reparaturen an der Laube vorzunehmen.

Auch die Einrichtung eines Kinder- und Schulgartens in der Anlage erfordert das Mitwirken seiner Vereinsmitglieder. Der Garten muss, wenn nicht von dem Kindergarten oder der Schule gepachtet, hergerichtet und gepflegt werden. Der Kinder-Schulgarten ist förderfähig, der Förderantrag an das zuständige Ministerium jedoch nicht in ein paar Minuten geschrieben und meist von einem aufwendigen Verfahren begleitet.

Derzeit bestehen sehr wenige Beziehungen zu sozialen und öffentlichen Einrichtungen. Daher sollten Patenschaften zu Seniorenheimen, Kindergärten und Schulen sowie der Kontakt zum Naturschutz und Wohnungsbauunternehmen ein wichtiges Ziel in naher Zukunft sein. So können gemeinsame Projekte und Veranstaltungen das Leben im Kleingartenverein vielfältiger gestalten und Interessen wecken.

Wenn die Anlagen von der Eingangssituation und Durchwegung her (keine geschlossenen Tore und Sackgassen) attraktiver gestaltet wären, würden sicherlich auch mehr Anwohner diese zur Erholung nutzen. Auch der Einbezug in das öffentliche Geh- und Radwegenetz lässt zu wünschen übrig.

Mit der Öffnung der Kleingartenanlagen wird der Faktor Sicherheit bei vielen Pächtern für Unruhe sorgen. Aber wie in der Auswertung zu sehen ist, sind die drei Anlagen, welche schon in das öffentliche Geh- und Radwegenetz integriert sind im letzten Jahr überhaupt nicht von Einbrüchen betroffen gewesen.

Ein weiterer äußerlicher Einfluss ist die Lage, welche auch in einer Anlage („Kohlbergsiedlung“) als Problem genannt wird. Diese sollte langfristig gesehen, sofern keine Nachfrage mehr besteht, eine andere Nutzung erfahren.

Einige Kleingartenvereine sind schon sehr aktiv in der Umnutzung von länger leer stehenden Kleingärten. So gibt es zwei Projekte zur Anlage von Biotopen und vor kurzem wurde in der Anlage „Sonnenstein“ ein Kindergarten für Vereinskinder eröffnet. In dieser Anlage besteht seitens des vielerorts angegebenen Problems ´Nachfolge Ehrenamt´ kein Problem. Hier werden die Mitglieder aktiv mit einbezogen. Es gibt z.B. für je ca. 20 Gärten einen zuständigen Wegewart, bei 148 Gärten würde man sonst auch die Übersicht verlieren. Dieser Wegewart geht auf die Pächter zu und gilt als deren erster Ansprechpartner. Auch das Projekt der Tafelgärten, wie in der Anlage „Gartenfreude“, sollte auf andere Kleingartenanlagen ansteckend wirken, denn Bedarf ist sicherlich genug vorhanden.

Es galt Entwicklungsvorschläge aufzuzeigen, in welche Richtung sich die Kleingartenvereine zukünftig, wenn möglich fortbilden können, um den Leerstand vorzubeugen oder bestmöglich zu nutzen. Im Laufe der Ergebnissauswertung kam die Erkenntnis, das die Ursache für den drohenden Leerstand nicht nur der „Demografische Wandel“ ist, sondern auch Faktoren innerhalb der Anlage eine große Rolle spielen. So die Zwischenmenschlichen Beziehungen, die Aktivitäten in den Vereinen und die Gestaltung der gemeinschaftlichen Flächen (z.B. Spielmöglichkeiten, Treffpunkte etc.).

Vergleicht man die Aktivitäten in der Öffentlichkeit mit denen der Kleingärtnervereine in Heidenau, ist schnell erkennbar woran es in Pirna fehlt. Die Heidenauer Vereine engagieren sich beim Stadtfest mit Informationsstand und Pflanzenbasar, beteiligen sich an Stadtteilfesten mit buntem Programm und öffnen ihre Anlagen nicht nur zu Vereinsfesten. Dieses, bei den Pirnaer Kleingartenvereinen bestehende Defizit, gilt es als oberste Handlungspriorität beizuliegen. Zwingend erforderlich sind dazu die Aktivierung innerer Potenziale und die Freisetzung von Synergien.

Fest steht auch, dass das Kleingartenwesen für alle Nutzergruppen attraktiver gestaltet werden muss. Dies kann nur erfolgen, wenn alle Betroffenen an einem Strang ziehen. Es müssen Probleme und Potenziale erörtert werden, welche Stärken haben die Kleingartenanlagen, was kann man aus ihnen herausholen. Ziel muss es sein, gemeinsam Lösungen finden.

Es wurden, für alle Kleingartenanlagen betreffende, übergeordnete Handlungsempfehlungen, und konkrete, für einzelne Kleingartenanlagen zutreffende Entwicklungsvorschläge, formuliert.

Diese Entwicklungsvorschläge bezogen sich auf die Einbindung sozialer Kontakte, Initiativen in Richtung Naturschutz (Schaffung von Grünvernetzungen), die Gestaltung der gemeinschaftlichen Flächen und die öffentliche Zugänglichkeit. Geklärt werden muss nun, inwiefern die Maßnahmen auf die Kleingartenanlagen umzusetzen sind. Da weder die örtlichen Gegebenheiten untersucht wurden noch mit den Vereinen individuell gesprochen wurde.

Interessant wird daher die Reaktion der Kleingartenvereine zu den einzelnen Vorschlägen sein. Die Frage wird dann sein, wie man diese betreffenden Akteure motivieren kann, aktiv an einer Verbesserung mitzuwirken.

Download: BKP-Maier.pdf