15.05.2017

4. Bundeskongress der Kleingärtner

Pressegespräch zur Situation der Berliner Kleingärten

Berlin ist auch die Hauptstadt der Kleingärten. Auf 67 000 Parzellen in 738 Vereinen wird hier gesät, gejätet und geerntet. Doch der Druck auf die Kleingartenflächen nimmt zu: 3000 Parzellen droht bis 2025 durch Wohnungsbau das Aus. Aktuell sind unter anderem die Pächter der Anlage „Sorgenfrei e.V.“ betroffen: Die Bahn bietet das Gelände im IGA-Bezirk Marzahn-Hellersdorf zum Verkauf an.

Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG), der Dachverband der deutschen Kleingärtner, lädt Sie im Rahmen des Kleingärtnerkongresses herzlich zu einem Pressegespräch mit Peter Paschke, Präsident des BDG, und Günter Landgraf, Präsident des Landesverbands Berlin der Gartenfreunde, zur Situation und zur Zukunft der Kleingärten ein. Peter Paschke ist überzeugt: „Wohnungsbau und Erhalt von Kleingärten müssen nicht in Konkurrenz stehen.“

Wann?  Freitag, 19. Mai 2017 um 11:30 Uhr
Wo?  Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz Hotel Alexanderplatz 7, 10178 Berlin
Saal Döblin, 3. Etage

Kontakt: Thomas Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter, 0179-7047157

Hintergrund
Die Umwandlung von Kleingärten in Bauland ist für den Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG) keine Lösung für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Erst am 08. Mai stellte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks das Weißbuch „Stadtgrün“ vor, ein klares Bekenntnis zu mehr Grünflächen in den Städten. Kleingärten vor diesem Hintergrund aus den Ballungszentren zu verdrängen, erscheint absurd.

Kleingärten und Wohnungsbau stehen nicht in Konkurrenz
Zunehmend werden Kleingärten von der Politik gegen den Wohnungsbau ausgespielt. Doch Kleingärten oder Wohnungsbau kann nicht die Frage sein. Wohnungen sind wichtig, aber ausreichend Grünflächen machen ein Wohngebiet erst lebenswert. Sie verbessern Luftqualität und Stadtklima, mindern Lärm und sind Hotspots für urbane Biodiversität. Kleingärten stehen für den BDG daher nicht in Konkurrenz zum Wohnungsbau – vielmehr kann eine ökologische und soziale Stadtentwicklung nur gemeinsam stattfinden.

Kleingärten als Ausgleichsflächen anerkennen
Eine Lösung für eine gemeinsame Entwicklung sehen die Kleingärtner darin, ökologisch bewirtschaftete Kleingärten als Ausgleichsflächen anzuerkennen. Davon würden Natur, Stadtplanung und Kleingärtner profitieren.  Ausgleichsflächen müssen ausgewiesen werden, wenn zum Beispiel durch Bebauung Flächen versiegelt werden. Der BDG setzt sich seit Jahren intensiv dafür ein, dass Kleingärten generell ökologisch bewirtschaftet werden. Eine Studie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung von 2016 bescheinigte Kleingärtnern hier einen deutlichen Vorsprung vor anderen Hobbygärtnern.

Kleingärten sind sozial
Was heute unter dem Begriff „Urban Gardening“ als Avantgarde gefeiert wird, ist nichts Anderes als Idee und Geschichte der Kleingärten: Gemeinsam freie Flächen in der Stadt aneignen, begrünen und beleben. Kleingärten sind daher schon aufgrund ihrer sozialen Funktion erhaltenswert. Als Teil der Stadtnatur sind sie Orte des Austausches in der Nachbarschaft, fördern die Identifikation mit dem eigenen Viertel und tragen zu mehr Umweltgerechtigkeit bei. Moderne Kleingartenparks wirken dabei weit über die Gartenpforte hinaus, sind Spielplatz, Treffpunkt und Erholungsraum für Anwohner und Spaziergänger. Auch in diesem Sinne machen sie gerade dichtbebaute Städte lebenswert.