StartseiteNewsSirtaki zum 200. Geburtstag
30.04.2014

Sirtaki zum 200. Geburtstag

Ältester Kleingärtnerverein feierte in Kappeln

Eigeninitiative fördern, nicht Almosen verteilen. Das waren die Beweggründe für Pastor Schröder, als er am 26. April 1814 den Pachtvertrag für 24 Gärten in der Pastoratskoppel „Scheunefeld“ im damaligen Cappeln unterschrieb. Den Vertrag schloss er mit den Garteninteressen gemeinschaftlich und legte damit den Grundstein für den ältesten deutschen Kleingärtnerverein.

Im Festzelt an der Kürbisklause würdigten Festredner am 26. April das Ereignis, dass seinen Ursprung in der Großzügigkeit des Landgrafen Carl von Hessen gefunden hat. Dieser stimmte schon bald nach dem Erwerb von Gut Roest und dem Flecken Cappeln der Verpachtung von Parzellen an „die ärmste Klasse“ zu. Der damals geschlossene Pachtvertrag hat in seinen Grundzügen noch heute Bestand. Darauf ist der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Reinhard Samuelsen besonders Stolz. Die dort festgelegten Bedingungen und Vorgaben bilden die Grundlage für das Kleingartenwesen in Deutschland.

„Dass in Kappel der älteste Kleingärtnerverein Deutschlands beheimatet ist, erfüllt uns mit besonderer Freude“, betonte Bürgermeister Heiko Traulsen in seiner Festrede. Noch immer befinden sich Gärten am historischen Ort. „Sie sind mit den anderen Kleingärten zusammen bunte Lichttupfer in der Stadt.“ Die Bedeutung des Kleingartenwesens in unseren Kommunen hob der Vorsitzende des Landesverbandes Schleswig-Holstein der Gartenfreunde Dieter Schiller hervor. Er unterstrich, dass die sozialen, ökologischen und städtebaulichen Aspekte den Versorgungsgedanken schon länger abgelöst haben. Auf die weiteren Bewegungen, so die Schreberbewegung und die Naturheilvereine, wies BDG-Präsident Peter Paschke hin. Sie alle münden in dem heutigen organisierten Kleingartenwesen. „Als familienfreundlicher und sozial engagierter Verband sind wir zu einem starken und zuverlässigen Partner in unseren Kommunen geworden.“

Als einen funktionierenden Resonanzraum betrachtete Probst Helgo Jacobs die Kleingärten. Sie sind mit ihren wohltuenden Gerüchen, der frischen Luft und dem Vogelgezwitscher für unser Wohlergehen unverzichtbar. Den damaligen Gedanken Hilfe zur Selbsthilfe würde er sich im Umgang mit der Armut auch in heutiger Zeit wünschen. Mit einem Augenzwinkern ging er auf die Gartenordnungen der Vereine ein: „Die erste Gartenordnung gab es im Paradies, sie lautete, esst nicht vom Baum der Erkenntnis und führte zur Vertreibung von Adam und Eva.“

Dass der Kleingärtnerverein Kappeln wohl auch der Älteste in Europa ist, darauf verwies Chris Zijdeveld, Präsident des Office International. Er sieht die Bedeutung des Kleingartenwesens auch noch in 200 Jahren. In einer Zeit, in der Gentechnik, Bienensterben und der Einsatz von Chemie in unseren Lebensmitteln zur Achtsamkeit aufrufen, übernehmen Kleingärtner Verantwortung für eine gesunde Ernährung, schützen die Bienen, verzichten auf Pflanzenschutzmittel und auf Gentechnik.

Mit der Enthüllung der Ehrentafeln des Bundesverbandes und des Landesverbandes an der neu gepflanzten Traubeneiche vor dem Rathaus wird dieser Geburtstag der Kappelner Bevölkerung und den vielen Gästen immer im Bewusstsein bleiben.

An dem Festakt nahm neben vielen Gästen aus Politik und Verwaltung auch der Gesamtvorstand des BDG teil, der an dem Wochenende im Ostseebad Damp tagte.

Joachim Roemer