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25.08.2016

38. Internationaler Kongress der Kleingärtner

Gartenfreunde aus 15 Ländern diskutieren über die Fachberatung

Der 38. Kongress der Dachorganisation der europäischen Kleingärtner, des Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux, hat in Wien stattgefunden. Vom 17. bis zum 21. August 2016 begrüßte der Zentralverband der Kleingärtner Österreichs – der gleichzeitig sein 100. Jubiläum feierte – als Gastgeber 340 Kongressteilnehmer aus 13 Ländern.

Themenschwerpunkt des Kongresses war die gärtnerische Fachberatung und ihr Einfluss auf einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit den im Freizeitgartenbau bewirtschafteten und genutzten Flächen.

In früheren Zeiten, in denen Kleingärten für Menschen die Ernährung sicherten, war die Fachberatung der Garant für eine erfolgreiche Ernte. In späteren Jahren, als die Wohlstandswelle Europa überrollte, Obst und Gemüse als bequemes Convenience Food aus dem Supermarktregal kamen und man es sich hinter Thujahecken auf der Hollywoodschaukel bequem machte, ließ das Interesse an der Fachberatung und damit auch an der Ausbildung der Berater nach.

Doch ein Wertewandel rüttelte viele Europäer wach: Mit dem Trend Urban gardening und dem neuen Freizeitinteresse am Anbau von Obst und Gemüse nahm auch die Bedeutung der gärtnerischen Fachberatung wieder zu. Gute gärtnerische Praxis wird überall dort benötigt,  wo erfolgreich kultiviert und geerntet werden soll.

Die europäischen Verbände sind sich einig, dass eine gute Fachberatung zum Selbstverständnis der Kleingärtner gehören sollte. Allerdings ist die Fachberatung in den einzelnen Ländern noch immer differenziert aufgestellt. In Deutschland, den Niederlande und in Österreich ist die Fachberaterausbildung sehr gut organisiert. In anderen Ländern steht der Aufbau einer Fachberatung dagegen noch am Anfang. Aber auch dort wurde die Bedeutung einer qualifizierten Fachberatung erkannt. Sie garantiert nämlich eine nachhaltige, umweltgerechte und ressourcenschonende Bewirtschaftung der kleinen Gartenflächen.

Gartenwissen zeitgemäß vermitteln

Für die Vertreter der Länder war der Kongress eine hervorragende Gelegenheit, sich zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Alle konnten dazu lernen: „Wie werden gärtnerische Fachthemen zeitgemäß vermittelt?“ oder  „Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Nutzung eines Kleingartens aus?“, waren zum Beispiel Fragen, die in großen und kleinen Runden diskutiert wurden.   

Großes Interesse fanden die verschiedenen Ansätze und Vorschläge zur Ausbildung von Gartenexperten. Im Kern ging es darum, wie sich die Fachberaterausbildung als europäisches Netzwerk organisieren lässt. Welche Möglichkeiten bietet das Internet; können Datenbanken entwickelt und vernetzt vernetzen, Foren online gestellt werden? Dabei sollte auch auf  mehrsprachige Angebote fokussiert werden.  Das Office International pflegt seine Veröffentlichungen bereits heute in Deutsch, Englisch und Französisch zu publizieren.

Luxemburg denkt über die Einrichtung einer Gartenakademie nach. Für die Niederlande und die Schweiz war das so genannte E-Learning ein wichtiges Thema. Hier zeigte sich, dass auch für die deutschen Gartenfreundinnen und Gartenfreunde neue Ansätze in der Zukunft Bedeutung haben können.

Einig waren sich die Kongressteilnehmer darin, dass zukünftigen Fachberaterinnen und Fachberatern einiges abverlangt wird. Einhundert bis einhundertfünfzig Stunden freiwillig in eine Ausbildung zu investieren, bedarf eines großen Interesses, ja Leidenschaft. Viel Freizeit ist dafür zu opfern, lange Wege sind auf sich zu nehmen. Effizienter und auch nachhaltiger wären Konzepte, die das Erwerben  des theoretischen Wissens online im Selbststudium ermöglichten. Nur der praktische Teil der Ausbildung würde vor Ort in Vereinen oder Lehrgärten unterrichtet.

Solche Konzepte würden vor allem in Flächenstaaten und -ländern erhebliche Reisekosten zu den Ausbildungsorten einsparen. Qualifizierte Referentinnen und Referenten könnten kostengünstig überregional beauftragt werden. Lehrgangsteilnehmer hätten darüber hinaus die Möglichkeit, sich auf spezielle Fachbereiche – etwa vegetative Vermehrung oder Pflanzenschutz  – zu qualifizieren und sich über Fachforen mit anderen Teilnehmern auszutauschen.

Internationale Strategie erarbeiten

Die Ergebnisse des Kongresses sind sehr zukunftsgerichtet. Ihre Realisierung erfordert das Überdenken und Anpassen bisher bewährter Ausbildungssysteme. Aufgabe der Organisatoren in den Verbänden und Vereinen wäre es, sich mit den erforderlichen Techniken und Medien beschäftigen – für viele ein aufwändiger Weg. Aber nicht nur das Kleingartenwesen muss sich auf eine neue Generation der Gartenfreunde einstellen: Auch die Fachberatung muss sich an künftige Bedarfe anpassen. Eine auf internationaler Ebene erarbeitete Strategie könnte dabei für alle im Office organisierten Kleingärtner und Kleingärtnerinnen das beste Ergebnis erzielen.
Das Kongressergebnis wurde in  einer gemeinsamen Resolution  verabschiedet.