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02.04.2014

Klausurtagung mit den Landesverbandsvorsitzenden über die nachhaltige Entwicklung des Kleingartenwesens

Strategiegespräche auch in der Pause: Manfred Weiß, Wilhelm Spieß, Jürgen Sheldon, Hans-Jörg Kefeder (von links)

"Öffentliche Kleingartenanlagen sind Teil der Daseinsvorsorge. Sie gehören wie Schulen, Parks, Kultureinrichtungen und Sportstätten zur Grundausstattung unserer Städte und Gemeinden“. Diese Feststellung zog sich wie ein roter Faden durch die Arbeitsgruppen und kann gewiss als das wesentliche Kurzresümee dieser Veranstaltung gesehen werden.

Doch der Reihe nach: Vertreter aller 20 im BDG organisierten Landesverbände und das BDG-Präsidium diskutierten am 28. und 29. März in Braunschweig über die nachhaltige Entwicklung des Kleingartenwesens in unseren Städten und Gemeinden.

Höher, schneller, weiter, Wachstum überall – das war einmal. Heute zeigt der Städtebau ein sehr differenziertes Gesicht und davon ist das Kleingartenwesen nicht ausgenommen. Hier die Speckgürtel und die wachsenden Klein- und Großstädte mit einem Mangel an Kleingärten, z. B. in Berlin, Hamburg und München; dort die ausblutenden Regionen, insbesondere in den neuen Bundesländern, mit leergefallenen Kirchen, Wohnungen und Kleingärten. Diese krassen Gegensätze werden anhalten.

Aber auch innerhalb der Städte – ob klein oder groß – dasselbe Bild: Da haben ganze Stadtviertel wegen des Strukturwandels (z. B. in Bremen durch die Werftenkrise oder im Ruhrgebiet) ihre Fabriken und Arbeiter verloren, an anderer Stelle derselben Stadt entstehen neue Wohn- und Arbeitsviertel. Da müssen auch die Kleingärten mit hinziehen!

Über den Wert von Kleingartenanlagen als weicher Standortfaktor und über die soziale Kompetenz der Kleingärtnervereine wird in Sonntagsreden der Politik gerne gesprochen. Im Ergebnis stehen bei der Nutzungsfestlegung eines innerstädtischen Grundstückes dann allzu oft die Wertsteigerung und die Rendite in Euro und Cent im Vordergrund. Bei nur ökonomischer Betrachtung fallen Kleingärten hinten runter und finden sich dann auf der grünen Wiese am Stadtrand wieder, weit weg von den Lebenszentren der Menschen. Ein anderer Grund: In Zeiten von Wohnungsnot und Mietenexplosion ist Wohnungsbau auf Gartenland in den Stadt- und Ballungszentren kein Tabu mehr. In Berlin will der Senat rund 90.000 neue Wohnungen bauen – 6.000 im Jahr – und fasst dabei auch Kleingartenanlagen als Bauland ins Auge, berichtet der „Berliner Kurier“. Auch die gesellschaftlichen Strukturen sind im Wandel. Neue Armut, längere Lebensarbeitszeiten, andere Arbeitsformen, eine älter werdende Gesellschaft, Zuwanderung und neue virtuelle Welten durch PC und Smartphone – all diese Faktoren verändern unser Leben.

Zur Einstimmung präsentierte BDG-Präsident Peter Paschke diese Vielfalt des Kleingartenwesens in kleinen und großen Kommunen, sowohl in ländlichen Regionen als auch in Ballungsgebieten. Mit diesen Anregungen ging es dann an die Arbeit in den Arbeitsgruppen. Themen waren:

  • die Bewältigung der demografischen Entwicklung in unseren Städten und Gemeinden und damit verbunden die Leerstandsproblematik in den strukturschwachen Regionen
  • die städtebauplanerische Einordnung des Kleingartenwesens und die Bedeutung des Kleingartenwesens als Teil der Stadtkultur stand bei den Mitgliedern der AG 2 unter Leitung von Bundesfachberater Jürgen Sheldon im Fokus der Betrachtungen sowie
  • die Umgestaltung von Kleingartenanlagen.

Ohne die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorwegzunehmen bleibt festzuhalten: die gesellschaftlichen Strukturen, unsere Städte und Gemeinden sind im Wandel und das Kleingartenwesen ist mittendrin und davon betroffen. Kleingärten sind wichtige Bausteine einer neuen Stadtentwicklung: Sie bieten Heimat, sind Kulturgut, Klimafaktor, Orte bürgerschaftlichen Engagements, eine Arche Noah für Artenvielfalt, grünes Fitnesszentrum.

Wie geht es weiter? Die Arbeitsgruppe „Strategiepapier“ wird die Ergebnisse in Braunschweig zusammenfassen. So wird ein Leitfaden entstehen für die Arbeit in den Landesverbänden, gewiss aber auch ein Positionspapier für den politischen Raum.

Werner Heidemann, BDG-Präsidiumsmitglied