StartseiteNewsIst in der Stadt produziertes Gemüse gesundheitsschädlich?
02.09.2013

Ist in der Stadt produziertes Gemüse gesundheitsschädlich?

Diese Frage taucht gegenwärtig mit dem zunehmenden Interesse am Gärtnern in der Stadt bei den neuen Hobbygärtnern aber auch den Verbrauchern von selbst gezogenem Obst und Gemüse auf. An der Humboldt Universität, wo das Thema Landwirtschaft und Gartenbau in Ballungszentren mittlerweile Lehrbestandteil ist, sind Studierende in einem sogenannten Q-Tutorium, in der Studierende ein selbst gewähltes Thema forschungsorientiert bearbeiten, im Sommersemester dieser Frage nachgegangen.

Anhand von Literaturstudien und eigenen Versuchen sollte die potenzielle Schadstoffbelastung aus der Luft auf den städtischen Pflanzenanbau untersucht werden. Im Mittelpunkt standen dabei die Verbrauchergesundheit und nicht die pflanzenphysiologische Beeinflussungen beim Anbau. Für den städtischen Pflanzenanbau sind aufgrund von erhöhten Emissionseinträgen und der relativ guten Verfügbarkeit für die Pflanzen die Schwermetalle Cadmium, Kupfer und Zink besonders relevant.

Für eigene Untersuchungen wurden an vier Standorten mit unterschiedlicher Abgasbelastung in Berlin(Mitte, Südkreuz, Karlshorst und Stahnsdorf) jeweils ein Hochbeet angelegt und die gleichen Pflanzenarten in folgender Mischkultur (Tief- und Flachwurzler) angebaut: Pflücksalat → Rucola → Kapuzinerkresse → Radieschen → Kohlrabi. Die Hochbeete wurden mit zertifiziertem Substrat befüllt, um einheitliche Bodenbedingungen zu gewährleisten. Dennoch fand im Vorfeld eine Untersuchung des Substrates nach einheitlichen Parametern statt. Ebenso wurde das jeweils verwendet Gießwasser und die geernteten Pflanzen auf die Belastung mit Schwermetallen Cadmium, Zink, Eisen, Kupfer und Blei untersucht.

Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass die Umgebung einen großen Einfluss auf die Bodenkontamination und die Belastung des Ernteguts hat. In dem Beet in Stahnsdorf wurden im Durchschnitt die meisten Pflanzen mit den höchsten Schwermetallkonzentrationen gefunden. Allgemein kann für alle Schwermetalle festgestellt werden, dass Salat und Rucola die im Durchschnitt höchsten Schwermetallgehalte aufweisen. Bis auf die Gehalte an Blei auf dem Hofgelände der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen-Fakultät (Berlin-Mitte) und Zink am Südkreuz sind beim Kohlrabi die im Durchschnitt geringsten Schwermetallgehalte zu verzeichnen.

Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass alle Grenzwerte für die Schwermetalle im Durchschnitt unterschritten wurden. Eine Ursache ist sicher die Verwendung von zertifiziertem Substrat in den Hochbeeten. Außerdem vermindern Bebauung und Vegetation als Barrieren sowie einen größere Entfernung zur nächsten größeren Straße Schadstoffeinträge in die Pflanzen. Verbunden mit der Verwendung von geprüfter Erde lassen sich die Risiken einer zu hohen Schadstoffakkumulation in den Pflanzen gering halten. Die Blattgemüsearten wiesen im Durchschnitt höhere Schwermetallgehalte auf als das untersuchte Wurzel- und Knollengemüse. Der Eintrag der Schwermetalle bei den Blattgemüsearten wird hauptsächlich durch Stäube vermutet. Ein gründliches Waschen vor dem Verzehr ist dringend anzuraten. Dies gilt allerdings für alle Gemüse- und Obstarten.

PD Dr. H. Hoffmann, Bsc St. Hebold und A. Frömel, Humboldt Universität zu Berlin


Link: www.agrar.hu-berlin.de/fakultaet/international