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29.03.2013

Forscher kamen zum Schrebergarten-Kongress nach Dortmund

Wie sieht der Schrebergarten der Zukunft aus? Welche Bedeutung haben Kleingartenanlagen für die Stadt? Forscher aus ganz Europa nahmen sich dieses Themas jetzt auf einem Kongress in Dortmund an — inklusive eines Ausflugs in die Kleingartenanlage „Alte Körne“.

Mehr als 60 Wissenschaftler, Studenten und Vertreter der Kleingärtnerorganisationen aus 23 Ländern – von Portugal im Südwesten bis hin zu den Baltischen Staaten im Nordosten Europas – haben vom 7. Bis 9. März 2013 in Dortmund an dem Kongress „Kleingärten in den Städten Europas“ teilgenommen. Bei dem englischsprachigen Fachkongress des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung ging es darum, wie sich der gesellschaftliche Wandel auf den Kleingärtnerverein auswirkt. Das Projekt ist eingebunden in das EU-Programm COST (EUROPEAN COOPERATION IN SCIENCE AND TECHNOLOGY). COST bietet europäischen Wissenschaftlern die Möglichkeit, Forschungsprojekte in Kooperation mit anderen Staaten auf den Weg zu bringen und Erfahrungen auszutauschen.

Ziel des Kleingarten-Projektes sind das Erfassen und Bündeln von städtebaulichen, sozialen und ökologischen Aspekten des Kleingartenwesens und an derer, mit dem Kleingartenwesen verwandten Strömungen, wie z. B. „community gardening“. So soll auf Dauer europaweit eine wissenschaftliche Plattform entstehen, um die unterschiedlichen Facetten des Kleingartenwesens, die Rahmenbedingungen der jeweiligen Länder und das gesellschaftliche Potenzial der Kleingartenbewegung darzustellen.

Der Zeitpunkt für dieses Europa-Projekt ist gut gewählt. Verwaltung und Politik vieler Länder fehlen heute oft Ziele und Visionen zur sinnvollen Integration von Kleingärten und Kleingartenanlagen in eine übergeordnete Stadtplanung. In Ballungsgebieten und wachsenden Städten stehen Kleingärten in starker Konkurrenz zu anderen Formen der Flächennutzung. Kleingärten werden hier im ökonomischen Sinne oft als „geringwertiges Land“ betrachtet und im Ergebnis marktwirtschaftlicher Prozesse in minderwertige Randlagen gedrängt. Andererseits gibt es aber auch überall in Europa strukturschwache Regionen, wo mit dem Migration der Bevölkerung in Arbeit und Wohlstand Kleingartenanlagen verwaisen.

Unabhängig von der offiziellen Stadtplanung und Grünpolitik ist jedoch in vielen Großstädten und Ballungsgebieten europäischer Staaten eine Art Wiederkehr der kleinen Gärten zu verzeichnen: Nachbarn schließen sich zusammen und bewirtschaften Freiflächen als Gärten. Und so entsteht eine Bewegung, für die wir mittlerweile weltweit unterschiedliche Bezeichnungen finden, z. B. „guerilla gardening“ oder „community gardening“ und nicht selten entstehen organisierte Kleingartenanlagen aus diesen Bewegungen.