04.09.2013

Winterquartier fürs Stacheltier

Igel-1Fotos 1-4: Tom Wagner
In den letzten (lau-)warmen Herbsttagen sind Igel besonders aktiv: Jetzt fressen sie sich für ihren langen Win­ter­schlaf dicke Fettreserven an. Gartenbesitzer können die Stacheltiere dabei unterstützen, gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen: Belassen Sie ein paar unordentliche Stellen im Garten!

Igel gehören zu den besonders gefährdeten Tieren. Ihr größter Feind ist das Auto. Jährlich sterben etwa 500.000 Igel auf unseren Straßen. Dagegen nehmen sich die Gefahren eines kalten Winters bescheiden aus. Da Igel in der freien Wildbahn – die hauptsächlich von landwirtschaftlicher Monokultur geprägt ist – immer weniger geeignete Lebensräume finden, siedeln sie heute vor allem in Haus- und Kleingärten.

Gartenbesitzer können einiges dazu beitragen, damit sich die nachtaktiven Ein­zel­gän­ger wohl fühlen – und zwar nicht nur im Hinblick auf den Winter, sondern das ganze Jahr über. Ein igelfreundlicher Garten bietet ein paar wilde Stellen: Reisig- und Kom­post­hau­fen, Holzstöße, Hecken, Gebüsche und einheimische Wildpflanzen und Sträucher kommen Igeln sehr entgegen. Hier finden sie tagsüber ein ungestörtes Plätzchen zum Schlafen. Und hierhin können Sie sich auch für den langen Win­ter­schlaf zurückziehen.

Entschärfen Sie typische „Igelfallen“. Wenn Sie nicht abgedeckte Kellerschächte oder Wasserbecken mit steilen Ufern mit schräg gestellten Brettchen versehen, können die hineingestürzten Tiere aus eigener Kraft wieder herausklettern. Lebensgefährlich ist für Igel Rattengift und Schneckenkorn auf Metaldehyd-Basis – verzichten Sie darauf! Eine große Gefahr stellen zudem die heftig beworbenen Laubsauger dar: Wer achtlos und ohne sich zu bücken unter Büschen und Sträuchern „saugt“, riskiert die ver­steck­ten Tiere zu verletzen oder gar zu töten.

Machen Sie lieber – gerade als Vorbereitung für den Winter – das Gegenteil: Tragen Sie das Laub als Haufen zusammen oder harken Sie es unter die Hecke. Die Laub­hau­fen sind gute Verstecke und eine nie versiegende Nahrungsquelle, denn sie ziehen auch Asseln, Regenwürmer, Schnecken oder Käfer an. Zudem polstern die Igel ihre Winterschlafplätze mit Laub aus.

Noch bis in den Dezember hinein lassen sich Igel beim Herumlaufen beobachten – auch bei Kälte. Diese Tiere ins Haus zu holen, ist nicht nur falsch verstandene Tierliebe, sondern nach dem Bundesnaturschutzgesetz schlichtweg verboten. Eine Ausnahme gilt lediglich für hilfsbedürftige Tiere. Dazu zählen kranke oder un­ter­ge­wich­tige Igel beziehungsweise verwaiste Igel-Säuglinge. Eine einfache Faustregel: Ist der Igel kleiner als eine Grapefruit und irrt bei Dauerfrost oder Schnee im Freien herum, braucht er Hilfe. Einen solchen Igel aufzunehmen und zu versorgen, ist sinnvoll. Füttern Sie ihn bitte auf keinen Fall mit Milch – die Tiere bekommen dadurch Durchfall. Und kontaktieren Sie unbedingt einen Tierarzt oder eine Igelstation. Dort wird man Sie beraten, was das Stacheltier braucht, um durch den Winter zu kommen.
 

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