01.12.2014

Insekt des Jahres 2015: Der Silbergrüne Bläuling

BläulingFoto: JKIDer Silbergrüne Bläuling ist das Insekt des Jahres 2015. Es wurde aus einer Gruppe von Schmetterlingen als Re­prä­sen­tant für die Tiere des besonders empfindlichen Biotops des Trockenrasens ausgesucht. Man sieht die auffallend ge­färb­ten, mittelgroßen Bläulinge mit den silbrigen, zur Basis hin grün-bläulichen Flügeln über Wiesen fliegen oder auf Blüten sitzen, wo sie Nektar aufnehmen. Bläulinge gibt es weltweit mit über 5.000 Arten, von denen ca. 50 in Mitteleuropa vor­kom­men. Bläulinge müssen nicht immer blau sein, sie können auch rot oder braun oder eben grünlich-türkis gefärbt sein.

Das Weibchen des Silbergrünen Bläulings hat eine samtig braune Farbe und ist daher leicht mit verwandten Arten zu verwechseln. Aber man erkennt es gut an der Flü­gel­un­ter­sei­te, an dem charakteristischen Muster der Flecken mit dem schwarzen Zentrum. Ein zentraler Fleck ist allerdings weiß. Das Männchen ist heller gefärbt als das Weibchen. Beide haben die gleiche Größe von 2,5 bis 3 cm Flügelspannweite.

Der Silbergrüne Bläuling lebt in warmen Regionen mit Kalkböden. Er kommt vor allem in Süddeutschland, in Österreich und der Schweiz vor, aber auch auf dem Balkan, in Nord­spanien, Frankreich und Italien. In Norddeutschland ist er seltener. Er braucht kurz­ra­si­ge Magerrasen mit hohem Blütenreichtum, wo ausreichend Nektar zu finden ist. Er saugt an Blüten vieler Pflanzenarten. Wird die Nutzung seiner Lebensräume in­ten­si­viert, zum Beispiel durch Düngung, oder wenn nicht mehr bewirtschaftet wird und das Gras verfilzt und langsam Sträucher und Bäume wachsen, so verschwindet er. Der Sil­ber­grü­ne Bläuling gilt unter den mitteleuropäischen Tagfaltern deshalb als eine In­di­ka­tor­art für gut erhaltene, basenreiche Magerrasen. Da er aber auch an klein­flä­chig­en Lebensräumen wie Böschungen, Wegrändern und Bahndämmen vorkommt, ist sein Bestand nicht gefährdet; er wird nicht in der Roten Liste Deutschlands geführt.

Ab Mitte Juli ist der hübsche Falter zu sehen. Die Männchen schlüpfen zuerst, die Weib­chen häufig erst im August. Sie legt ihre Eier an trockenen Pflanzen oder am Boden ab. Die Larven sind erst im Frühjahr zu finden, denn in den im Sommer abgelegten Eiern entwickeln sich zwar die Larven, überwintern aber im Ei und schlüpfen erst im nächsten Frühjahr. Die Larven gedeihen nur an Hufeisenklee (lateinisch Hippocrepis comosa). In Brandenburg, Sachsen und Ostösterreich leben sie aber auch auf der Bunten Kronwicke (Securigera varia Syn. Coronilla varia). Die grünen Raupen haben auf dem Rücken zwei Längsreihen von gelben Flecken. Außerdem sind sie mit hellen Haaren bedeckt. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und sitzen tagsüber in kleinen Gruppen im Geröll oder Moos unter den Nahrungspflanzen.

Dr. Wohlert Wohlers, Julius Kühn-Institut